Arbeiten ist ein Darf (Teil 1 von 2)

Arbeiten ist ein notwendiges Übel, um Geld zu verdienen. Das steht zwar für viele Menschen so fest wie das Amen in der Kirche, ist aber nur ein Dogma der alten Arbeitsgesellschaft. Ein Paradigma, das vielerorts nicht in Frage gestellt und nicht hinterfragt wird. Bereits dienstags träufeln Radiosprecher ihren Zuhörern das zähe Paradigma ins Ohr: „Bald haben Sie es geschafft, nur noch vier Tage, dann ist Wochenende!“ Die Freude an der Arbeit wird durch den ausschließlichen Fokus auf Geld und Freizeit verdrängt.

Leidensgeschichten verlaufen oft nach demselben Muster: Man arbeitet vor sich hin, sieht nur sich selbst und seine eigenen Vorteile. Wenn nicht gerade ein paar Scheine oder ein unmittelbarer Erfolg ins Haus stehen, schwindet die Inspiration. In einem Zustand der Abgespanntheit und Müdigkeit würde man am liebsten alles stehen und liegen lassen und gar nichts mehr tun. Die Couch ruft! Doch man macht pflichtbewusst, aber widerwillig weiter und der Unmut beginnt zu wachsen, bis er zu Gereiztheit und Wut führt. Die Arbeit wird zum roten Tuch, zum leidigen Muss, um Geld zu verdienen. Kein Wunder! Als die Welt für uns noch ein großer, bunter und spannender Spielplatz war, hörten wir von den Erwachsenen: „Ich muss am Montag wieder arbeiten gehen!“, „Arbeit ist Arbeit und Schnaps ist Schnaps!“, „Erst die Arbeit und dann das Vergnügen!“ oder „Bald darf ich in Rente gehen!“ Dramatisch wurde es in dem Moment, als uns direkt mitgeteilt wurde, dass auch für uns bald der Ernst des Lebens beginnen würde. Wir wussten zu diesem Zeitpunkt vielleicht schon, dass die Erde keine Scheibe ist, aber daran, dass Arbeiten ein notwendiges Übel ist, gab es keinen Zweifel.

Wenn schon malochen, dann wenigstens einen Haufen Schotter verdienen. Nach dieser Devise streben viele Menschen. Im Mittelpunkt stehen Geld, Macht, Luxus und Prestige (Obwohl dies keine menschlichen Bedürfnisse sind). Viele Manager richten ihren Fokus auf Produktivität, Deckungsbeiträge, Umsatz oder Gewinn. Zumindest so lange, bis sie erkennen, dass es die Mitarbeiter und die Kunden sind, für die es sich lohnt, zu arbeiten. Überall dort, wo der Fokus nicht auf die Mitarbeiterzufriedenheit und den Kundennutzen gerichtet ist, wird Wirtschaft zum Räubertum. Überall dort, wo der Fokus nur auf den Geldbeutel des Kunden gerichtet ist, wird der Unternehmer zum Räuber. Und alle Räuber haben das gleiche Problem: Sie müssen ihrer Beute hinterher rennen. Denn wer sucht schon freiwillig die Nähe eines Räubers oder kauft gerne bei einer Räuberbande ein?

In allen Unternehmen, in denen der Mensch im Mittelpunkt steht, für die Wirtschaften also kein reiner Selbstzweck ist, überall dort ist die Freude zu Hause und bereichernde zwischenmenschliche Beziehungen gedeihen. Und ganz nebenbei zieht diese Freude und Menschlichkeit neue Mitarbeiter, Lieferanten, Kunden und Kooperationspartner an. Marketshare kommt von Heartshare. Fokus Mensch. Nebeneffekt Profit!

Erfolg neu denken

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Über den Autor

Keynote-Speaker, Seminarleiter, Buchautor, praktischer Visionär